Adorno, Oscar Adolf

* Düsseldorf 6.5.1872,
† Gut Kaltenberg/OA Tettnang 13.7.1937

S. d. Adolf A., * Türkheim/BA Mindelheim 14.7.1843,  † Gut Kaltenberg 7.11.1893, Kaufmann in Duisburg, später Gutsbesitzer in Kaltenberg (württ. Staatsangehörigkeit gemäß Aufnahmeurkunde der Regierung des Donaukreises in Ulm vom 12.12.1889), u. d. Alwine Buchloh, * Duisburg 11.7.1843, † Tettnang 27.8.1930.
2 HalbG (aus I. Ehe d. V.).
∞ Duisburg 18.2.1903 Josefine Maria Johanna Antonia Hecking, * Duisburg 8.10.1877, † Gut Kaltenberg 8.8.1950), T. d. Anton Hecking, Kaufmann in Duisburg, und der Maria Rihse. Keine K.

Der Landwirtschaftsfunktionär und Zentrumspolitiker A. gehörte zu den bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten Oberschwabens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Nach praktischer landwirtschaftlicher Ausbildung auf verschiedenen Gütern studierte A. an der  Landwirtschaftl. Hochschule Hohenheim sowie an der Universität Leipzig. Das Einjährig-Freiwillige Militärdienstjahr verbrachte er bei den roten Ulanen in Stuttgart. Nach dem frühen Tod des Vaters 1893 übernahm A. den Gutsbetrieb Kaltenberg und führte ihn mit beachtlichem Erfolg.. Von 1896-1933 war er Ausschussmitglied des Württ. Obstbauvereins und Vorstand des Hopfenbauvereins, 1918-1933 stv. Vorsitzender des Dt. Hopfenbauverbandes, von 1898-1933 Vorsitzender des Landwirtschaftl. Bezirksvereins Tettnang, 1910 Mitglied im Wirtschaftsausschuss beim Reichsinnenministerium. Im Ersten Weltkrieg war der Rittmeister der Reserve beim Ulanen-Rgt. „König Karl” u. a. in Frankreich und Serbien eingesetzt. Nach einer Verletzung zum stv. Generalkommando in Stuttgart versetzt, war A. dort Vorstand der land- und volkswirtschaftl. Abteilung und seit 1918 Leiter des württ. Kriegswirtschaftsamtes. 1919 zählte er zu den maßgeblichen Mitgründern des Württ. Landwirtschaftl. Hauptverbandes. Vom 25.2.1920 bis Juni 1933 amtierte A. als Vorsitzender der neugegründeten Württ. Landwirtschaftskammer, zu deren Mitglied er als Vertreter der Landwirte im Wahlbezirk IV (Oberämter Biberach, Blaubeuren, Ehingen, Geislingen, Heidenheim, Laupheim, Leuitkirch, Ravensburg, Riedlingen, Saulgau, Tettnang, Ulm, Waldsee und Wangen) gewählt worden war. Sein Rücktritt erfolgte angeblich aus gesundheitlichen, tatsächlich wohl aus politischen Gründen.

In die aktive Politik mischte sich A. mit einem Paukenschlag ein. Nach dem am am 10.6.1914 erfolgten Tod des Reichstagsabgeordneten für den 17. WK Württemberg (Ravensburg-Riedlingen-Saulgau-Tettnang), des seit 1903 ununterbrochen gewählten Pfarrers und Dekans Joseph →Leser, entschloss sich A. zu einer Kampfkandidatur gegen den von der Partei aufgestellten und vom Volksverein für das katholische Deutschland unterstützten Landessekretär des Volksvereins, Felix →Stiegele. Dieser siegte am 21.8.1914 mit 13.494 Stimmen gegen A., der nur 544 Stimmen auf sich zu vereinigen vermochte.

A. kandidierte 1919 auf Platz 35 der Zentrums-Landesliste für ein Mandat in der Württ.  Verfassunggebenden Landesversammlung, erhielt es jedoch erst nach dem Tod des Abg. Adolf Gröber  zugeteilt und trat am 11.12.1919 ins Parlament ein, dem er bis 1928 angehörte. – Mitglied des Gesamtausschusses der Dt. Landwirtschafts-Gesellschaft, Vorstands- und ständiges Ausschussmitglied des Dt-. Landwirtschaftsrates. - 1912 Silberne Landwirtschaftl. Verdienstmedaille;  1918 Kgl. Preußisches Verdienstkreuz für Kriegshilfe; 1924 Ehrensenator der TH Stuttgart; 1933 Goldene Ehrennadel des Landwirtschaftl. Hauptverbands Württemberg.

Q
Familienregister Standesamt Tettnang, Band VI, 53, und Band VIII, 155.

L
Wer ist´s? 8 (1922), 8 – Wer ist´s? 9 (1928), 8 – Wer ist´s? 10 (1932), 9 –Wenzel, Wirtschaftsführer, Sp. 9 f. – Reichshandbuch I, 9 (Bild) – Rücktritt des Präsidenten der Landwirtschaftskammer, in: WWfL Nr. 23, 10.6.1933, 221 –Peter Heidtmann, Grünes Gold. 150 Jahre Hopfenbau in Tettnang (Heimat-Zeichen 3), Tettnang 1994 (Bild) – Raberg, Biogr. Handbuch, 8 (Bild).

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