Kaim, Heinrich Emil, Dr. theol. h.c.

* Schelklingen/OA Blaubeuren 23. oder 28.1.1871 (nicht 1873!)

† Untermarchtal 9.5.1949

kath.

S. d. Volksschullehrers Heinrich K., * 1834, † 1878, u. d. Emilie Scheitenberger, * 1842, † 1938.

8 G, davon 6 † früh.

Der Homiletiker, Historiker und Politiker K. war einer der einflussreichsten kath. Geistlichen in Württemberg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In Tübingen studierte K. Theologie und erhielt den Preis der kath.-theol. Fakultät. Am 17.7.1894 empfing er in Rottenburg/Neckar die Priesterweihe und ging danach im Aug. 1894 als Zweiter Vikar an die Stuttgarter Eberhardskirche. Im April 1896 erfolgte seine Versetzung an das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Untermarchtal, im Dez. 1896 an das Marienhospital in Stuttgart. Am 28.11.1900 wurde K. zum Kaplan an der St.-Anna-Kirche in Ehingen bei Rottenburg ernannt, am 19.7.1908 zum Stadt- und Garnisonpfarrer in Cannstatt, wo er am 10.1.1917 auch zum Kamerer des Landkapitels ernannt wurde. 1917 gehörte K. zu den Gründungsmitgliedern des Stuttgarter Caritasverbandes. Am 17.9.1927 erfolgte K.s Berufung in das Rottenburger Domkapitel, wo er Referent für kirchenpolitische Fragen war. Im Folgejahr übernahm K. den Vorsitz aller Diözesanverbände und leitete die „Kath. Aktion“ in Württemberg.  In der Zeit des Konflikts zwischen Bischof Joannes Baptista →Sproll und dem NS-Staat spielte K. eine zentrale, jedoch ad dato nicht hinreichend erforschte Rolle. Am 1.6.1941 trat K. im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand. Am 5.6.1946 erfolgte seine Ernennung zum Päpstlichen Hausprälaten.

K. trat auch als Politiker in Erscheinung. 1928 wurde K. auf der Zentrums-Vorschlagsliste des Wahlverbandes „Groß-Stuttgart“ in den Württ. Landtag gewählt, dem er bis zum Erlöschen seines Mandats im Zuge des Reichskonkordats am 18.7.1933 angehörte. Er war dort Mitglied des Rechtsausschusses.

 

Q            

Schriftliche Mitteilung des Kath. Pfarramts Herz-Jesu in Schelklingen vom 2.7.1998.

W           

Die kath. Gemeinde in Cannstatt, 1912 – Alles wird geheiligt durch Gottes Wort, 9 Bände, 1921 ff. – Samuel, 21921 – Die Anschaulichkeit auf der Kanzel, 1922 – (Hg.), Paul Stiegeles Klosterbilder aus Italien, 1925.

L            

Ih 1, 434 – Personalkatalog Rottenburg 41909, 198 – Kosch, Das Kath. Deutschland, Sp. 1967 – Paul Kopf/Max Miller (Hgg.), Die Vertreibung von Bischof Joannes Baptista Sproll von Rottenburg 1938-1945. Dokumente zur Geschichte des kirchlichen Widerstands, Mainz 1971, 70 f., 96, 102, 133 f. u. ö. – Köhler, Katholiken, 53, 69, 72 – Raberg, Biogr. Handbuch, 417 – Weik 72003, 314.

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