Rümelin, Christian Heinrich Wilhelm Gustav (von), Dr. phil., Dr. rer. pol. h.c., Dr. iur. h.c.

* Ravensburg 26.3.1815

† Tübingen 28.10.1889

ev.

S. d. Ernst Gustav Gottlob →Rümelin.

∞ Heilbronn/Neckar 8.6.1847 Marie Therese Schmoller, * Merklingen bei Leonberg 21.4.1824, † Tübingen 5.7.1891.

4 K, darunter Gustav Friedrich Eugen (von) R.[1], Dr. iur., * Nürtingen 1.5.1848, † Freiburg im Breisgau 11.1.1907, Geh. Regierungsrat, o. Professor der Rechte an der Universität Freiburg im Breisgau, 1893-1906 als Vertreter der Universität Mitglied der I. Kammer des Bad. Landtags; Max Friedrich Gustav (von) R.[2], Dr. iur., Dr. theol. h.c., Dr. sc. pol. h.c., * Stuttgart 15.2.1861, † Tübingen 22.7.1931, Staatsrat, o. Professor der Rechte und Kanzler der Universität Tübingen, 1906-1908 als Vertreter der Universität Mitglied der I. Kammer des Württ. Landtags.



[1] Ih 2, 737.

[2] Ih 2, 738 – Ih 3, 286 – Raberg, Biogr. Handbuch, 744 f. – WB I, 213-215 (Martin Otto).

Pädagoge, Statistiker und Politiker eine der herausragenden Persönlichkeiten Württembergs im 19. Jahrhundert.

R. verbrachte nur sein erstes Lebensjahr in Ravensburg. Nach der Versetzung des Vaters 1816 wuchs er in Besigheim und Heilbronn/Neckar auf, wo er zunächst eine Privatschule und dann das Gymnasium besuchte. Von 1828-1832 war er Zögling des ev.-theol. Seminars Schöntal/Jagst, anschließend studierte er (als „Stiftler“) Theologie und Philosophie in Tübingen. Nach dem I. theol. Fakultätsexamen 1836 wurde er 1837 zum Dr. phil. promoviert.

R. trat als Vikar in Heilbronn in den ev. Kirchendienst und ging 1838 als Repetent an das Seminar in Schöntal/Jagst. Während seiner Zeit in Schöntal nahm R. wiederholt vertretungsweise Lehreraufgaben in Ludwigsburg, Kirchheim/Teck, Langenburg, Heilbronn, Ellwangen, Göppingen und Stuttgart wahr. 1841 bestand R. das II. theol. Examen und die Präzeptoratsprüfung, 1843 die Professoratsprüfung.

1845 wurde R. zum Rektor der Nürtinger Lateinschule ernannt und entfaltete 1848 erste politische Aktivitäten, als er sich um ein Mandat in der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt/Main bewarb und es mit großem Vorsprung für die Bezirke Nürtingen/Kirchheim (8. Wahlkreis im Schwarzwaldkreis) auch errang. Er gehörte dem Parlament bis Mai 1849 an und war u. a. Mitglied der Kaiserdeputation, die dem preuß. König Friedrich Wilhelm IV. im Auftrag der Nationalversammlung die Kaiserkrone antrug – welche vom König ausgeschlagen wurde.

1849 als Professor an die obere Abteilung des Gymnasiums Heilbronn versetzt, stieg R. 1851 unter Versetzung an die obere Abteilung des Gymnasiums Stuttgart zum Mitglied des Kgl. Studienrats auf, 1852 zum Assessor (Titel Oberstudienrat) im Kultministerium.

Am 9.4.1856 erfolgte R.s Berufung zum Leiter des Kultministeriums (Ministerium des Kirchen- und Schulwesens), das er im Rang eines Wirklichen Staatsrats führte, ohne zum Minister ernannt zu werden. Nachdem seine Bemühungen um ein Konkordat mit dem Vatikan am Widerstand des Landtags gescheitert waren, trat R. von seinem Amt zurück. Ebenfalls 1855 war R. von der „guten Stadt“ Ludwigsburg zum Abg. in der II. Kammer des Württ. Landtags gewählt worden, deren Vizepräsident er war. Er gehörte der Kammer aber nur kurze Zeit an, da er das Mandat nach seiner Berufung zum Ministeriumsleiter niederlegte.

1861 trat R. als Leiter an die Spitze des Kgl. Württ. Statistisch-Topographischen Bureaus, ab 1867 war er zugleich Lehrbeauftragter für Statistik, vergleichende Staatenkunde und Philosophie an der Universität Tübingen. Mit seiner Berufung zum Kanzler der Universität Tübingen veränderte sich R.s Wirkungskreis nochmals; 1873 legte er sein Amt beim Statistisch-Topographischen Bureau nieder und wurde zu dessen Ehrenvorstand ernannt. Als Universitätskanzler war R. nach der Verfassung qua Amt Mitglied der II. Kammer des Württ. Landtags (1870-1889) und dort u. a. Mitglied der Volkswirtschaftlichen Kommission sowie Vorstand der Bibliothekkommission.

1887 ehrte ihn König Karl von Württemberg mit der Verleihung des Titels „Geh. Rat“ und des Prädikats „Exzellenz“. In einem Nachruf hieß es: Mit durchdringendem Geist und unbestechlichem Wahrheitssinn hat er auf politischem Gebiet früher als andere die Ziele, welchen die Entwicklung der Dinge zustrebte, erkannt, und ebenso bei seinen wissenschaftlichen, vor allem seinen statistischen Arbeiten die Ursachen und Gesetze der verwickeltsten und dunkelsten Vorgänge des Volkslebens aufzuzeigen, und, wie er es selbst als Aufgabe der Statistik bezeichnet hat, den stummen Ziffern den Mund zu öffnen gewusst. – 1856 Kommenturkreuz des Württ. Kronordens; 1857 Großkreuz des Päpstl. Ordens Pro Ecclesia et Pontifice; 1857 Kommenturkreuz I. Kl. des Friedrichsordens; 1876 Dr. der Staatswissenschaften h.c. (Universität Tübingen); 1877 Dr. iur. h.c. (Universität Tübingen);  1877 Großkreuz des Friedrichsordens; 1889 Fürstlich Hohenzollerisches Ehrenkreuz. – 1852 Mitglied des Vereins für Vaterlandskunde; 1872 stv. Mitglied des literarischen Sachverständigenvereins für Württemberg, Baden und Hessen; 1876 Ehrenmitglied des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben; 1876 Ehrenmitglied des Historischen Vereins für das württ. Franken.

Q            

Universitätsarchiv Tübingen, Teilnachlass Rümelin.

W           

Ausführliches Schriftenverzeichnis bei Marcon/Strecker I (vgl. L).

L            

Ih 2, 737 – Rudolf, KB, 715 – Georgii-Georgenau, 774 – Magisterbuch 25 (1884), 71 f. – Württ. Jahrbücher 1889, XII* – ADB 53 (1907), 597-635 (Gustav von Schmoller) – Raberg, Biogr. Handbuch, 741-743 – NDB XXII (2005), 224 (Bernhard Mann) – Marcon/Strecker I, 264-271 (Bild), mit umfassenden Literaturangaben  – Wikipedia.

 

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