Probst, Joseph, Dr. sc. nat. h.c.

* Ehingen/Donau 23.2.1823

† Biberach/Riß 9.3.1905

kath.

S. d. Christoph Probst, * Ehingen/Donau 25.12.1790, † ebd. 5.1.1835, Bärenwirt und Stadtrat ebd., u. d. Anna Maria Wilhelm.

Mehrere G, darunter Ferdinand →Probst.

Der kath. Geistliche P. erwarb sich große Verdienste als Paläontologe und Geologe.

Der in seiner Heimatstadt aufgewachsene P., der dort auch die Schule besuchte und bereits 1840 das Abitur am dortigen Konviktsgymnasium bestand, studierte anschließend Theologie in Tübingen, ging als Alumnus ins Priesterseminar und empfing am 4.9.1845 die Priesterweihe in Rottenburg/Neckar. Zunächst Vikar in Schramberg, war P. 1846-1858 Vikar und Pfarrverweser in Schemmerberg bei Biberach/Riß. Im April 1858 wurde er zum Pfarrer in Mettenberg und zugleich bis 1859 zum Schulinspektor für den Bezirk Biberach ernannt. Im März 1869 als Pfarrer in Unteressendorf installiert, war P. von 1872-1882 zugleich Kamerer des Kapitels Waldsee. Seit Nov. 1898 „von seiner Stelle abwesend“, erfolgte zum 1.4.1900 die Pensionierung des 77 Jahre alten Geistlichen.

Die Leidenschaft P.s gehörte der Paläontologie und der Geologie seiner Heimat Oberschwaben, die er gründlich erforschte und über die er umfassend publizierte. P. schuf die Grundlage der modernen Geologie Oberschwabens, seine umfangreichen Forschungen waren Pionierarbeit. Vieles bisher als sicher Geglaubte vermochte er richtigzustellen. In den Württ. naturwissenschaftlichen Jahresheften veröffentlichte er von 1866-1873 eine Reihe von Abhandlungen. Es folgten u. v. a. „Geognostische Skizze der Umgebung von Biberach“ (1874), „Topographie der Gletscherlandschaft in Oberschwaben“ (1875), „Erörterung über den Zusammenhang der klimatischen Zustände der letzten 3 Erdperioden“ (1874-1878), „Beiträge zur Kenntnis der fossilen Fische von Baltringen“ (1887), „Klima und Gestaltung der Erdoberfläche in ihren Wechselwirkungen dargestellt“ (1887), „Ueber einige Gegenstände aus dem Gebiet der Geophysik“ (1889). Der begeisterte Kunstsammler, der auch zahlreiche Veröffentlichungen zur Kunstgeschichte vorlegte, brachte seinen Ruhestand in Biberach/Riß zu, wo er sich führend am Ausbau der städtischen Sammlungen beteiligte.  – Mitglied der k. k. Leopoldina-Carolinischen Dt. Akademie der Naturforscher – 1877 Dr. sc. nat. h.c. (Universität Tübingen).

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Ih 2, 686 – Personalakatalog 41909, 5 – Welser, Lebensbilder, 168-182 (F. Wenk; mit Bild)

 

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