Dizinger, Carl Friedrich (von)

* Stuttgart 6.1.1774

† ebd. 14.11.1842

ev.

S. d. Christian Gotthold D., * Gomadingen 13.11.1738, † Stuttgart 11.7.1804, Rentkammerexpeditionsrat und ab 1772 Rentkammerrat in Stuttgart, u. d. Rosina Margaretha Mehl, get. Böblingen 18.1.1739, † Rottenburg/Neckar 22.12.1818.

2 G.

Biberach/Riß 23.5.1809 Wilhelmine Gottliebin Müller, * Tübingen 3.11.1787, † Rottenburg/Neckar 8.2.1825, T. d. Christof Gottlieb M., * Königsbronn 21.10.1755, Pfleger und zuletzt Kameralverwalter in Tübingen, u. d. Heinrike Catharina Veiel, † Tübingen 26.3.1798.

1 K.

Die Beamtenlaufbahn des Altwürttembergers D. war wiederholt mit Oberschwaben verknüpft.

D. durchlief das Stuttgarter Gymnasium und kam am 1.2.1791 als Zögling an die Hohe Carlsschule in Stuttgart. Er studierte dort Jura und Philosophie. Nach der schließung des Carlsschule 1794 setzte er das Studium in Tübingen fort und bestand 1796 die Juristische Staatsprüfung. Danach ließ er sich als ao. Kanzleiadvokat und erwähltes Mitglied beim consultierenden Advocaten-Collegium in Stuttgart nieder, wo er vornehmlich mit Prozessen für die Hzgl. Rentkammer und Kammerschreiberei beauftragt war. 1805 trat er als Sekretär in den Staatsdienst und übernahm 1806 als zunächst provis., dann (25.6.1806) definitiver Landeskommissär die Besitzergreifung des Breisgaus sowie des Klosters Villingen. Nachdem er 1806/07 in provis. Weise bei der Generallandeskommission angestellt gewesen war, erhielt er von Mai bis Juli 1807 den Auftrag für eine diplomatische Sondermission am Kaiserhof in Wien.

Am 1.7.1807 zog D. als erster württ. Oberamtmann in Biberach auf und nahm im Aug. 1808 seinen Sitz in dem zur Oberamtei umgebauten Rathaus. Der von ihm zu verwaltende Bezirk stellte ein Konglomerat völlig unterschiedlicher Herrschaftsgebilde dar: Er bestand aus ehemals fürstlichen, gräflichen, ritterschaftlichen, reichsstädtischen sowie klösterlichen gebieten und erstreckte sich zudem auch auf Orte, die 1807 teils zu Bayern und teils zu Württemberg gehörten. Der nüchterne und pragmatische D. verstand es, den Bezirk mit Besonnenheit und Augenmaß, aber auch mit Verständnis für die neuen Untertanen des Königs zu leiten.

Am 8./9.7.1807 wurde König Friedrich in Biberach erwartet, die Stadt rüstete zu einem großen Empfang und wurde schwer enttäuscht, weil der Monarch mit seinem Tross lediglich die Pferde wechseln ließ und sogleich weiterreiste. Im Zusammenhang mit dem Ankauf eines 132 Gulden teuren goldgerahmten Brustbildes von König Friedrich, für den aus verschiedenen Kassen Geld entnommen wurde, weil der Magistrat eine über 25 Gulden hinausgehende Ausgabe nicht genhmigen durfte, wurde D. von seinem Amt in Biberach abberufen und dem Magistrat ein Verweis erteilt. D., der in Biberach auch seine Ehe schloss, hat die Verhältnisse in der Stadt und im Amtsbezirk in seinen „Denkwürdigkeiten“ detailliert geschildert.

Im Nov. 1809 ging D., der als tüchtiger Beamte galt und den Vorfall in Biberach unbeschadet überstand, als Oberamtmann zum AOA Stuttgart, in Biberach trat seine Nachfolge Eberhard von Bühler ein, bisher „quiescierender Ober-Auditor“ und Bruder des Carl August von →Bühler.

1811 als Nachfolger des ebenfalls von König Friedrich abgesetzten Ludwig (von) →Koch zum Oberamtmann (Titel Regierungsrat) beim OA Ravensburg ernannt, fiel ihm dort zunächst die Aufgabe der Umstrukturierung des Magistrats zu. Zu seiner großen Beliebtheit trug neben seiner grundsätzlichen Liberalität besonders D.s Offenheit in konfessionellen Fragen bei. So setzte er sich z. B. für die Beibehaltung des Heilig-Blut-Ritts im benachbarten Altdorf-Weingarten ein.

Schon 1813 wurde D. in Ravensburg abberufen, um als Stadtdirektor die Leitung der Stuttgarter Stadtdirektion zu übernehmen. Im Herbst 1817 wechselte D. im Zuge der umfassenden administrativen Neuordnung Württembergs von der Innen- in die Justizverwaltung und wurde Oberjustizrat beim Appellationsgerichtshof für den Neckar- und Schwarzwaldkreis in Rottenburg, der bereits 1818 als Kreisgerichtshof nach Tübingen umsiedelte. 1819 erfolgte D.s Ernennung zum Vorstand der III. Sektion der Justiz-Retardaten-Commission in Rottenburg, nach deren Auflösung wurde er dem Gerichtshof für den Neckarkreis in Esslingen zugeteilt. Am 14.6.1822 erfolgte D.s Versetzung als Oberjustizrat zum Gerichtshof für den Donaukreis in Ulm/Donau. Am 27.12.1823 wurde D. in den Ruhestand versetzt, den er in Stuttgart verlebte. Was der Grund für seine Pensionierung im 50. Lebensjahr war, ist bisher nicht ermittelt. – 28.5.1809 kleines Kreuz des Civilverdienstordens.

Q            

HStAS, E 143 Bü 880 – ebd., E 146/1 Bü 2658.

W           

(Anonym) Beyträge zur Beantwortung der Fragen: Worauf gründet sich die Landstandschaft? Hängt es von der Willkühr des Fürsten ab, wann die Landstände die Repräsentanten seines Volks zusammenkommen sollen - oder nicht? Und besonders der Frage: Konnte durch ihre Voreltern den Gliedern der einzelnen teutschen Staaten, das Recht ihre Repräsentanten selbst zu wählen entzogen werden - oder nicht?, Rostock 1796 – Deduktion des Besteurungsrechts der deutschen Fürsten und Beantwortung der Fragen, wann? Wie? Und welchen Gliedern der einzelnen deutschen Staaten? Sind die denselben von der französischen Nation auferlegte Contributionen rechtmäßig umzulegen. Nebst einem Anhang über einige wichtige staatswissenschaftliche Gegenstände, Stuttgart 1796 – Denkwürdigkeiten aus meinem Leben und aus meiner Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte Deutschlands, vornehmlich aber Würtembergs und dessen Verfassung. Erster Teil [mehr nicht erschienen], Tübingen 1833.

L            

Ih 1, 160 – Rudolf, KB, 619 – Gradmann, Das gelehrte Schwaben, 104 – Faber XXXII, § 153 – NWDB § 1346 – Wagner, Hohe Carlsschule I, 443 (Nr. 512) – ebd. II, 407, 417 – Werner Gebhardt, Beiträge und Register zur Familienkartei Dettingen unter Teck, Esslingen 1994, 32*-34* – Amtsvorsteher, 221 (Reiner Falk) – Kuhn, Chronik der Stadt Biberach 1800-1914, 13, 23, 33, 79, 88 f., 143, 250 – Lutz, Zwischen Beharrung und Aufbruch, 43, 118, 218 f., 307 – Olschewski, Herrschaftswechsel, 161 f.

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