Bendel, Alois (von)

* Forst/OA Waldsee 24.1.1817

† Rottenburg/Neckar 16.1.1889, bestattet auf dem Sülchenfriedhof ebd.

kath.

B. gehörte zu den kath. Geistlichen Oberschwabens, die während der Revolution 1848/49 politische Aktivität entfalteten und parlamentarische Mandate errangen.

Am Ende seines Studium der kath. Theologie in Tübingen gewann B. 1841 den 1. Katechetischen Preis. Nach der 1842 empfangenen Priesterweihe in Rottenburg/Neckar wurde B. zunächst als Vikar nach Rottweil versetzt. 1844 erhielt er nach unständigen Verwendungen als Pfarrverweser die Stelle des Repetenten am Konvikt in Rottweil. Im März 1848 erfolgte die Ernennung zum Stadtpfarrer in Isny/Allgäu.

In der Revolutionszeit stellte sich B. an die Spitze der kath. Geistlichkeit des Bezirks und wies Beschuldigungen des Volksvereins wegen der ablehnenden Haltung des Klerus gegenüber der Reichsverfassung zurück. In dieser Situation entschied er sich, im Sommer 1849 für ein Mandat in der Württ. Verfassungrevidierenden Landesversammlung zu kandidieren, die an die Stelle des alten Landtags getreten war. Mitbewerber waren der bisherige Landtagsabgeordnete des Bezirks, Wilhelm →Wiest, für den Volksverein der Wangener Reallehrer Johannes Ev. Jung (1812-1889) sowie der Wangener Kaufmann Romminger, der eine republikanische Position einnahm. B. trat mit einem „liberalen“, konstitutionell-monarchischen, antirepublikanischen Programm an und hatte einen fast sensationellen Erfolg, da er das Mandat mit 1.373 Stimmen gewann (Romminger 539, Jung 83 Stimmen). Auch bei der Wahl der Verfassungberatenden Landesversammluung im Feb. 1850 hatte B. Erfolg und besiegte den „demokratischen“ Mitbewerber, Präzeptor Anton Hetzel aus Spaichingen.

Nachdem B. im Mai 1850 zum Direktor des Wilhelmsstifts Tübingen und zugleich zum Hilfslehrer für Pastoraltheologie an der kath.-theol. Fakultät der Universität Tübingen ernannt worden war, zog er sich aus der Politik zurück. 1863 kehrte B. als Stadtpfarrer in Wangen/Allgäu und Dekan des Landkapitels Wangen in seine oberschwäbische Heimat zurück. 1866 wurde er zum Domkapitular, 1879 zugleich zum Domdekan in Rottenburg/Neckar berufen. Vom 6.2.1877 bis 25.6.1880 (Mandatsniederlegung wegen Gehörleidens) gehörte B. als Vertreter des Bischöfl. Domkapitels (Nachfolge von Anton von Dannecker) der II. Kammer des Württ. Landtags an. B.s Nachfolge als Vertreter des Domkapitels im Landtag trat der spätere Rottenburger Bischof Wilhelm Reiser an. – Ehrenritterkreuz des Württ. Kronordens; Kommenturkreuz II. Kl. des Friedrichsordens; Dr. theol. h.c. (Universität Tübingen).

 

L            

Neher 1878, 23 f. – Riecke, Verfassung und Landstände, 49, 70 – Staatsanz. Nr. 15, 18.1.1889, 99, und Nr. 19, 23.1.1889, 129 – Württ. Jahrbücher 1889, IV – Hartmann, Regierung und Stände, 62, 69 – Werner Gross, Das Wilhelmsstift Tübingen 1817-1869. Theologenausbildung im Spannungsfeld von Staat und Kirche (Contubernium 32), Tübingen 1978, 186-169 – Dietrich, Christentum und Revolution, 196, 302 f. – Revolution im Südwesten 21998, 696 f., 699 – Heinz, Revolution, 478 – Raberg, Biogr. Handbuch, 49.

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