Eser, Anton Friedrich Xaver

* Gutenzell-Hürbel/OA Biberach 14.2.1798

† Stuttgart 13.6.1873, bestattet ebd., Pragfriedhof

kath.

S. d. Judas Thaddäus Eser, Rat, Obervogt und Rentamtmann in Diensten der Freiherren von Freyberg-Eisenberg, später der Grafen Reuttner von Weyl, u. d. Creszenz von Zwerger, eine Schwester d. Franz von →Zwerger.

4 G, darunter Sophie Eser, * 1788, ∞ 1812 Franz Xaver Dominik von Welz[1], * Altdorf-Weingarten 5.5.1770, Landschaftskassier in Altdorf-Weingarten, Finanzkammersekretär in Ulm.

∞ 12.9.1822 Friederike Fetzer, † Stuttgart 1870, T. d. Johann Jakob Fetzer[2], * Reutlingen 24.8.1760, † ebd. 20.2.1844, letzter regierender Bürgermeister der Reichsstadt Reutlingen, zuletzt Rechtskonsulent ebd.

5 K.

 



[1] Cast I, S. 493.

[2] Ih 1, 218.

Als Historiker, Kunstkenner und Insektenforscher entfaltete der aus Oberschwaben stammende Finanzbeamte E. eine umfangreiche Aktivität. Vor allem seine Mitwirkung an der Gründung des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben war von bleibender Bedeutung.

Im Gegensatz zu drei seiner Geschwister überlebte E. als Kleinkind die Pockenkrankheit, behielt aber Narben zurück. Der etwas gehemmte E. besuchte die Dorfschule in Hürbel und seit 1810 das Gymnasium in Kempten. 1812 wechselte er an das Gymnasium in Rottweil. Schon in dieser Zeit war bei E. das Interesse an Versteinerungen und Insekten erwacht.  Im Herbst 1815 ging er zum Studium der Medizin, später der Rechtswissenschaften und der Kameralistik nach Tübingen, wo er zunächst Mitglied des Corps Württembergia war, ehe er sich der Burschenschaft (Alte Arminia bzw. später Germania) anschloss. Ende 1819 fand er nach bestandener Fakultäts- und Dienstprüfung eine provisorische Anstellung als Aktuar beim Oberamtsgericht Urach. Dort lernte er den Dichter Wilhelm Waiblinger (1804-1830) kennen, mit dem er eng befreundet war. E. schätzte Waiblingers Arbeit sehr und setzte sich für ihn ein, als der Verleger Cotta sein Stipendium für Waiblinger zurückzog. Als alter Mann setzte sich E. mit anderen für die Errichtung eines Grabdenkmals für den so früh Verstorbenen auf dem protestantischen Friedhof in Rom ein.

1820 wechselte E. vom württ. Justizdienst in die Finanzverwaltung der Grafen Reuttner, die nunmehr Gutsbesitzer in Hürbel waren und in deren Dienste E.s Vater getreten war. E. unterstützte diesen zunächst und trat nach dessen Pensionierung die Nachfolge als Gräflicher Rentbeamter an. 1840 wechselte er nach dem Verkauf Hürbels an Württemberg in die württ. Finanzverwaltung und kam am 16.3.1840 als provis. Assessor zur Finanzkammer für den Donaukreis in Ulm. 1841 erfolgte die definitive Anstellung als Assessor, 1842 die Ernennung zum Finanzrat, später zum Oberfinanzrat in Ulm. E.s lokal- und regionalgeschichtlich bedeutende Tat war die wesentliche Mitwirkung bei der Gründung des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben im Jahre 1841, an dessen Spitze er 1846 als Vorsitzender trat. E. hielt Vorträge und veröffentlichte Aufsätze im Organ des Vereins. Daneben widmete er sich weiter der Naturforschung, nahm an Ausgrabungen teil und machte seine Sammlung von Versteinerungen national bekannt. Drei Fossilienarten (Potamogeton Eseri, Unio Eser und Amohicon Eseri) wurden nach ihm benannt. In den „Jahresheften des Vereins für vaterländische Naturkunde“ veröffentlichte er mehrere Abhandlungen zur Erdgeschichte, außerdem widmete er sich der Entomologie, der Insekten- und Muschelkunde.

1850 erfolgte die Auflösung der Finanzkammer in Ulm. E. wurde am 6.5.1850 als Oberfinanzrat zur Ablösungskommission in Stuttgart berufen. Sein Herbarium nahm er mit, aber die Schmetterlings- und Petrefaktensammlung überließ er der Ulmer Realschule, wo sich Professor Christian Reuß ihrer annahm. E. unternahm zahlreiche größere Reisen, u. a. nach Rom, und arbeitete an seinen posthum veröffentlichten Lebenserinnerungen „Aus meinem Leben“, die hochinteressante Einblicke und Charakterisierungen zahlreicher bekannter Persönlichkeiten vermitteln, weshalb sie noch heute auf dem antiquarischen Büchermarkt gute Preise erzielen. – Ehrenmitglied des Württ. Altertumsvereins, Mitglied des Verwaltungsrats der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine; 1862 Mitglied des Verwaltungsrats des Museums Vaterländischer Altertümer in Stuttgart; korrespondierendes Mitglied des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg.

 

W           

(kleine Auswahl) P. Beck, (Hg.), Friedrich Eser. Aus meinem Leben, Ravensburg 1907 – Zwei Monate in Italien. Reiseerinnerungen eines Kunstfreundes, Stuttgart 1859 – Ein Skulpturwerk aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Besitze des Herrn Grafen Reuttner von Weyl zu Achstetten OA Wiblingen, in: Verhandlungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, 2. Bericht, 1844 – Petrefacten aus der Molasse bei Ulm und dem Krebsscheerenkalk von Söflingen, in: Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg XII (1856), 63 ff.

L            

Ih 1, 203 – Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 31 (1875) – Paul Beck, Oberfinanzrat F. Eser aus Hürbel (1798-1873), Kunst- und Naturforscher, in: Diözesanarchiv aus Schwaben 25 (1907) – Lebensbilder aus Schwaben und Franken 11 (1969), 195-213 (Gabriele von Koenig-Warthausen) – Gabriele von Koenig-Warthausen, Zum 150. Todestag eines fast Vergessenen. Wilhelm Waiblinger und sein oberschwäbischer Freund Friedrich Eser, in: Heimatkundliche Bll. für den Kreis Biberach 3 (1980), H. 1, 17-19 – Dies., Friedrich Eser (1798-1873). Ein bedeutender Oberschwabe, ebd., H. 2, 45-50 – Philipp, Germania, 14, Nr. 60 – Specker, Ulm im 19. Jahrhundert, S.  18-20, 178.

Zurück