Weyermann, Albrecht, Mag.

* Ulm/Donau 1.4.1763

† Würtingen/OA Urach 28.12.1832

ev.

S. d. Johann Christian W., Soldat und Angestellter bei der Stettinschen Buchhandlung in Ulm.

 

Der Literaturhistoriker, Theologe und Biograph W. hat sich mit seinen biographischen Sammlungen und Veröffentlichungen einen sicheren Platz als einer der bedeutendsten stadt- und regionalgeschichtlichen Biographen in Deutschland gesichert. Ohne seine Forschungen wäre es um unser Wissen zur Geschichte Oberschwabens und Ulms wesentlich schlechter bestellt, und als biographische Nachschlagewerke sind seine Veröffentlichungen auch heute noch schlechterdings unverzichtbar.

Der aus einfachen Verhältnissen stammende W. besuchte – aus finanziellen Gründen – für eine extrem lange Zeit, von 1770 bis 1792, das Gymnasium seiner Heimatstadt im Barfüßerkloster, ehe er sich das Theologiestudium in Tübingen leisten konnte. Als er das Studium aufnahm, war er schon 29 Jahre alt. Drei Jahre später, nach Abschluss des Studiums, absolvierte er die Predigtamtsprüfung und kam im Mai 1797 als Katechet im Waisenhaus nach Ulm zurück; zugleich übernahm er die Observation des Deutschordenshauses ebd. Wenig später zum Diakon in Bermaringen ernannt, ging W. 1801 als Pfarrvikar nach Setzingen. Später Pfarrer in Gutenberg und in Gerstetten/Diözese Heidenheim, wurde er am 1.2.1822 zum Pfarrer in Würtingen/OA Urach ernannt, ein Amt, das er bis zu seinem Tod ausübte.

W. verfasste in großem zeitlichen Abstand zwei umfangreiche Bände „Nachrichten von Gelehrten, Künstlern und andern merkwürdigen Personen aus Ulm“, die 1798 und 1829 erschienen. Er selbst schreibt zu den Gründen für diese Veröffentlichung in seinem ihn betreffenden biografischen Artikel, er habe sich im Selbststudium der Literaturgeschichte gewidmet, die am Gymnasium nicht vermittelt worden sei: Bei meiner damaligen Lektüre fand ich öfters, daß sich manche meiner Landsleute durch Schriften u.s.w. rühmlich ausgezeichnet haben. Ich zeichnete mir schon damals die Lebensumstände, Schriften etc. dieser Männer auf, und als mir bald nachher durch mehrere Freunde gute Hilfsquellen, z. B. Jöcher, Adelung u. a. [1] an die Hand gegeben wurden, so wuchs meine Sammlung immer mehr. Besonders aber wurde sie stark, als ich von einigen Freunden der Vaterlandsgeschichte mit Beyträgen unterstützt wurde. Und alles, was ich von dieser Zeit an las und Bezug auf die Ulmische Litteratur- und Kunstgeschichte hatte, bemerkte ich, und auf diese Art entstunden gegenwärtige Nachrichten ... (Weyermann I, 537). W. legte dabei eine Emsigkeit an den Tag, die auch noch, nach zweihundert Jahren geeignet ist, Staunen zu erregen. Man muss bedenken, dass ihm weder reichhaltige gedruckte Literatur, noch eine Schreibmaschine oder gar das Internet zur Verfügung standen, um seine Kompilationsarbeit zu leisten.

Bereits im Vorwort des ersten, von Johann Georg Heinzmann in Verlag genommenen Bandes hatte W. mitgeteilt, zu seinem Bedauern habe er aus Kostengründen nicht alle recherchierten Personen aufnehmen können: Gegen 600 Artikel bleiben daher ungedruckt. In der Vorrede zum zweiten Band führt W. näher aus, Heinzmann habe vor Anschuldigungen des Festungskommandanten von Schaumburg, er habe revolutionäre Äußerungen getan, kurz vor Erscheinen des Bandes aus Ulm fliehen müssen. Der neue Verleger Christian Ulrich Wagner („der Ältere“) habe W. auferlegt, eine Menge Artikel wegzulassen, damit das Werk nicht zu groß würde.

W. beschreibt in seinen Büchern sowohl verstorbene als auch noch lebende Persönlichkeiten, die mit Veröffentlichungen hervorgetreten waren und deren Lebenswege mit Ulm in Berührung kamen. Die Veröffentlichungen listete er am Ende jedes Eintrags auf und gab in Klammern seine Quellen an, in der Regel zumeist ad dato unveröffentlichte Akten, Urkunden und Handschriften. Er beachtete damit die Grundregeln moderner Lexikographik und schuf ein Werk, das ungeachtet seiner inhaltlichen Begrenzung auf „Gelehrte, Künstler und andere merkwürdige Personen“ ein – weit über Ulm hinausreichendes – bedeutendes prosopographisches Grundlagenwerk für Oberschwaben und das Bayerische Schwaben darstellt.

 



[1] Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrtenlexikon [...] 4 Bände, Leipzig 1750/51 – Johann Christoph Adelung/Heinrich Wilhelm Rotermund, Fortsetzung und Ergänzungen, 6 Bände (A – Rin), Leipzig-Bremen 1784-1813. Band 7 (Rin – Rom) erschien, hg. von Otto Günther, 1897 in Leipzig.

Q            

StadtA Ulm, Bestand H, Nachlass Weyermann,  – ebd., G 2.

L            

Ih 3, 370 [mit unzutreffendem Sterbeort „Nürtingen“] – Weyermann I, 536 f. – Gradmann, Das gelehrte Schwaben, 773 – ADB 42 (1897), 270 f. (Wilhelm Heyd) – Ulmer Bilder-Chronik 1, 504.

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