Storr, Johann Nepomuk (Pater Amandus, OSB)

* Ulm 16.10.1743

† Unterkirchberg/OA Laupheim 8.3.1818

kath.

S. d. Johann Georg S., Rat und Obervogt am Deutschordenshaus in Ulm.

Bruder     Aloysius Storr, † Schwäbisch Gmünd März 1794, Stadtarzt in Schwäbisch Gmünd.

 

S. war unter den Benediktinern  des Klosters Wiblingen derjenige, der sich neben Michael →Braig um die Historiographie des Klosters am meisten verdient gemacht hat. Er erschloss mit seinen „Analecta continuandis, emendandis ac supplendis Annalibus Wiblinganis inservientia“ nicht nur neues, die Jahre von 1700 bis 1709 betreffendes  Quellenmaterial, sondern widmete sich dem ehrgeizigen Unternehmen, in dem auf drei Bände angelegten „Chronicon Wiblignanum a fundatione usque ad annum 1799“ alle die Klostergeschichte betreffenden Nachrichten von seiner Gründung an in chronologischer Ordnung zusammenzuführen. Die handschriftlichen Werke sind in der Diözesanbibliothek Rottenburg bzw. in der Stadtbibliothek Ulm überliefert.

Nach Beendigung der schulischen Ausbildung und des Studiums, das ihn an das Ulmer Wengenkloster, nach Mergentheim und in das Kloster Wiblingen geführt hatte, trat er 1760 als kaum 17-Jähriger dem Benediktinerorden bei. Der Profeß am 11.11.1761 in Wiblingen folgte die Fortsetzung seiner Studien in Dillingen/Donau und Ingolstadt. Dem Kloster Wiblingen eng verbunden, wurde er dort 1766 Priester und zwei Jahre später Moderator Fratrum Studentium, also Novizmeister, Professor der Mathematik, der Theologie und des Kirchenrechts und übernahm die Leitung der Klosterbibliothek und des -archivs. S. gestaltete einen umfassenden, bisherige Grenzen überwindenden Unterricht, indem er u. a. starken Wert auf die Numismatik legte, was auch überregional auffiel (Schwäb. Kronik Nr. 57/1788). 1776 zum Prior unter Abt Roman Fehr (1728-1798) aufgerückt, hielt S. im Dez. 1786 beim Besuch des Herzogs Carl Eugen von Württemberg in Wiblingen eine Rede über den Einfluss Wiblingens auf die Anfänge des Buchdrucks in Augsburg.

S.s bisheriges Leben geriet nach der Säkularisation aus der Bahn. Die Bindung an Wiblingen lockerte sich im Zuge der Auflassung des Klosters. S., der auch liturgische Werke verfasste und als Historiker und Chronist wesentlichen Einfluss auf Michael Mathias Braig ausübte, erhielt 1809 die Stelle des katholischen Pfarrers in Unterkirchberg, nachdem er schon 1799 mehr oder minder als Pfarrverweser dorthin abgeschoben und kurz danach von französischen Soldaten ausgeplündert und misshandelt worden war.

 

W           

Positiones Selectae ex Philosophia juncta Mathesi, Günzburg 1771 – Positiones ex theologicis disciplinis excerptae, 1773 – Sacra Philosophia Juris ecclesiastici ad Statum Germaniae accomodati, 1776 – Predigt auf das Marianische Jubelfest in der Wallfahrtskirche zu schiessen, Kloster Roggenburgischer Herrschaft, gehalten im Jahr 1782 – TrauerRede auf den Herrn Reichs-Prälaten Gilbert in Roggenburg, Ulm 1789 – Lob- und TrauerRede auf den Herrn Reichs-Prälaten Robert in Elchingen, gehalten am 23. April 1793, Ulm 1793 – Katholische Charfreytagsfeier, in das deutsche übersetzt, mit Erläuterungen und Melodien. Nebst einer Andacht für eine Singbetstunde, Ulm 1808 – Ueber die Grundsätze der Liturgie, die Hindernisse der Einführung der deutschen Sprache und die in seiner Pfarrkirche gemachten liturgischen Verbesserungen, in: Archiv für Pastoralkonferenzen im Bisthum Konstanz 11, Heft 11.

L            

Ih 2, 868 – Weyermann II, 531 ff. – Franz Karl Felder (Hg.), Gelehrten- und SchriftstellerLexikon der deutschen katholischen Geistlichkeit, fortgesetz von Franz Josef Waitzenegger, Band 2, Landshut 1820, 427 f. – Michael Braig, Kurze Geschichte der ehemaligen vorderösterreichischen Benediktiner-Abtey Wiblingen in Schwaben, Isny 1834, 396 u. ö. – August Lindner, Die Schriftsteller und die um die Wissenschaft und Kunst verdienten Mitglieder des Benedictiner-Ordens im heutigen Königreich Württemberg vom Jahre 1750 bis zu ihrem Aussterben, in: Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner- und dem Cistercienser-Orden V (1884), Heft 1, 113-115 – Heribert Hummel, Die Bücherverzeichnisse der ehemaligen Benediktinerabtei Wiblingen, in: ZWLG 37 (1978), 1981, [87]-121, hier bes. 111 – Stefan J. Dietrich (Bearb.), Georg Maximilian Geisenhof: Geistliche im Landkapitel Laupheim und Wiblingen. Nekrolog (Documenta suevica Band 4, hg. von Wolfgang Schürle), Konstanz.-Eggingen 2004, 165-168, 250 f. – Ders., Pater Michael Braig OSB und die Geschichte des Klosters Wiblingen, in: UO 53/54 (2007), 199-219, bes. 205 ff u. ö.

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