Häring, Hugo, Dr. h.c.

* Biberach/Riß 22.5.1882

† Göppingen 17.5.1958

kath.

S. d. Schreinermeisters Häring.

 

H. gilt als einer der bedeutendsten Initiatoren des „Neuen Bauens“. Seine Theorien zur „Baukunst“ bilden wesentliche Grundlagen der „Organischen Architektur“. Wichtige Stationen seines Lebens und Schaffens sind mit Neu-Ulm und Ulm verknüpft.

Der Oberschwabe besuchte in Neu-Ulm die weiterführende Schule und schrieb sich nach dem Abitur, das er 1899 ablegte, für ein Architekturstudium an der TH Stuttgart ein. Von 1901 bis 1903 studierte er an der TH Dresden. Nach dem Studienabschluss in Stuttgart war der junge H. zunächst in Ulm tätig, ging aber 1904 nach Hamburg, wo er als Architekt und Lehrer an der Kunstgewerbeschule wirkte. Ab 1910 engagierte sich H. für die Eröffnung einer Filiale der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk in Hamburg. Im Ersten Weltkrieg war H. ab 1915 Bauanwalt im ostpreußischen Allenburg (Kreis Wehlau) und übernahm mehrere Bauaufträge in Neu-Ulm. Das prominenteste Baudenkmal aus dieser Zeit ist die von 1916 bis 1921 von H. im Dessauer Bauhausstil erbaute sogenannte „Römervilla“ im Glacis in der Neu-Ulmer Parkstraße 1, die er im Auftrag des Fabrikanten Hans Römer entworfen hatte. Heute befindet sich darin ein Hotel-Restaurant. 1915/16 entwarf H. für die Wohnung des Bürgermeisters Josef Kollmann in der Friedenstraße 21 die Wohn- und Schlafzimmereinrichtung, die von der Neu-Ulmer Möbelfirma Freyberger ausgeführt wurde.

Ab 1916 wurde H. als Dolmetscher auf dem Balkan eingesetzt. Nach Kriegsende arbeitete H. wieder in Hamburg, wechselte aber 1921 nach Berlin, wo ihm Ludwig Mies van der Rohe in seinem Büro ein Arbeitszimmer angeboten hatte. Im darauffolgenden Jahr beteiligte sich H. an der Großen Berliner Kunstausstellung. Ab 1926 engagierte sich H. als Sekretär der reichsweiten Architektenvereinigung „Der Ring“, den er auch auf internationaler Ebene wiederholt vertrat. Wichtige Bauten H.s aus dieser Ära sind die Gutsanlage Garkau in Scharbeutz (Ostholstein), die Onkel-Tom-Siedlung in Berlin-Zehlendorf (1926/27) und die Ring-Siedlung in Siemensstadt (1929/30). Für H. sollten die Häuser Organe ihrer Bewohner sein , deshalb lehnte er vorgegebene Formen und Ausführungen ab. Nach der NS-Machtübernahme galten die Vertreter des „Neuen Bauens“ als „entartet“ und erhielten kaum noch Aufträge. 1935 übernahm er die Leitung der Reimannschule in Berlin, die er in Schule „Kunst und Werk“ umbenannte.

Nachdem er 1943 ausgebombt worden war, übersiedelte H. wieder in seine Heimatstadt Biberach, wo er 1950 die nach ihm benannten Häuser der Familie Schmitz erbaute.

Nach Kriegsende verpflichtete sich H. als Beauftragter für den Wiederaufbau in der französischen Besatzungszone. Von Biberach aus arbeitete er an Hans Scharouns Institut für Bauwesen an der Akademie für Wissenschaften in Berlin mit. H. starb wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag nach längerer Krankheit. 1969 wurde ein nach H. benannter Preis gestiftet, der für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg verliehen wird. – 1950 Dr. h.c. der TH Stuttgart; 1955 Mitglied der Akademie der Künste.

 

Q            

Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, Nachlass.

W           

Vom neuen Bauen, Berlin 1952.

L            

J. Joedicke (Hg.), Das andere Bauen. Gedanken und Zeichnungen von Hugo Häring, 1982 – Sabine Kremer, Hugo Häring (1882-1958). Bauten, Entwürfe, Schriften, phil. Diss., TU München 1982 – Dies., Hugo Häring. Zum 100. Geburtstag, unter: http://www.dr-kremer-architekten.de/html/hugo_haering.-htmlhttp://deu.archinform.net/arch/917.html. – Kuhn/Ritter/Bauer, bes. 212-227.

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