Waldburg zu Zeil und Trauchburg, Fürst Franz Thaddäus Joseph von

Waldburg zu Zeil und Trauchburg, Fürst Franz Thaddäus Joseph von - Wappen der Waldburg zu Zeil
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* Schloss Zeil 15.10.1778
† ebd. 5.12.1845

kath.

S. d. Fürsten Maximilian Wunibald von →W. u. d. Freiin Marie Johanne von Hornstein-Weiterdingen.

∞ I. 25.7.1805 Christiane Henriette Polyxena von Löwenstein-Wertheim, * 16.5.1789, † 5.7.1811, T. d. Fürsten Dominic Constantin von Löwenstein-Wertheim;

∞ II. 18.8.1814 Freiin Antoinette von Wenge, * 14.3.1785, † 12.2.1819;

∞ III. 3.10.1820 Freiin Therese von Wenge, * 14.5.1788, Schwester der II. Ehefrau.

9 K, davon 1 aus I., 3 aus II. und 5 aus III. Ehe, darunter Fürst Constantin von →Waldburg zu Zeil und Trauchburg.

 

W. war als führendes Mitglied der Reichserbtruchsessenfamilie von Waldburg in der Ära des Umbruchs zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine bestimmende Persönlichkeit des oberschwäbischen Hochadels. Zielstrebig wie wenige seiner Standeskollegen versuchte er, sich unter den neuen Verhältnissen mit Württemberg zu arrangieren.

Als Bevollmächtigter des schwäbischen Grafenkollegiums spielte W. bereits 1802/03 eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Erhebung des Hauses Waldburg in den Reichsfürstenstand. Der Kaiser zeigte daran großes Interesse, während die in Frage kommenden Familien wegen der zu erwartenden hohen Kosten zögerten. Nach dem Wegfall der geistlichen Stimmen im Fürstenrat des Regensburger Reichstags nach der Säkularisation wollte Wien das neue Übergewicht der Evangelischen durch Standeserhöhungen und Erteilung von Virilstimmen ausgleichen. W. riet dringend dazu, um die Reichsfürstenwürde nachzusuchen, die bereits am 21.3.1803 vom Kaiser verliehen wurde.  

Anders als sein Vater, der mit dem württ. König um die Rechte seines Hauses und des Adels überhaupt stritt, stellte sich W. in den Dienst des Monarchen, der ihn am 21.7.1808 zum Kgl. Kammerherrn ernannte. Am 20.4.1811 übernahm W. in der Nachfolge des auf eigenen Wunsch entlassenen Freiherrn von Bouwinghausen als Landvogt am oberen Neckar mit dem Charakter eines wirklichen Kgl. Geh. Rats und mit Sitz in Rottweil die Leitung der Verwaltung mehrerer Oberämter (u. a. Balingen, Rottweil und Tuttlingen) und war als Leiter einer Mittelbehörde des Innenministeriums Repräsentant des Staates. Als König Friedrich ihn schon nach wenigen Monaten als Landvogt nach Ulm versetzen wollte, bat W. darum, ihn in Rottweil zu belassen – eine Bitte, welcher der König entsprach. Am 8.11.1817 zum Regierungspräsidenten bei der neu gebildeten Regierung des Schwarzwaldkreises in Reutlingen ernannt, tauschte er Ende 1818 mit Erlaubnis des Königs diese Stelle mit dem Regierungspräsidenten bei der Regierung des Jagstkreises in Ellwangen, Staatsrat Franz Joseph Ignaz von Linden[1]. Alles wies auf eine Laufbahn als Spitzenbeamter in der württ. Innenverwaltung hin. Der Tod des Vaters im Mai 1818 beendete sie und führte W. auf ein neues Aktionsfeld.

Als zweiter Fürst des Hauses von Waldburg zu Zeil und Trauchburg und Standesherr des Königreichs Württemberg war W. seit 1819 als Nachfolger seines Vaters nicht nur Mitglied, sondern auch Präsident der Ständeversammlung, die mit der Regierung des Verfassungsvertrag vom 25.9.1819 aushandelte. Auf den beiden ersten Landtagen nach Einführung der neuen Verfassung war er von 1820 bis 1826 Vizepräsident der I. Kammer und Mitglied zahlreicher Kommissionen, so der Geschäftsordnungskommission, zog sich danach aber zunehmend von der Politik zurück und ließ sich seit 1834 häufig von seinem Sohn, dem Erbgrafen Constantin, vertreten. Nach 1838 erschien W. gar nicht mehr persönlich im Landtag. 1826 war es ihm in Verhandlungen mit dem württ. Staat gelungen, die staatsrechtlichen Verhältnisse seines Hauses ebenso zu regeln wie eine Erhöhung der Entschädigungssumme auf 110.000 Gulden, womit zumindest ein Teil der gewaltigen Schulden gezahlt werden konnte. Gemäß Beschluss des Bundestags erhielt W. am 18.8.1825 das Prädikat „Durchlaucht“. Als Senior des Gesamthauses Waldburg war W. auch Erbreichsoberhofmeister des Königreichs Württemberg. – Großkreuz des Kgl. Württ. Civilverdienstordens.



[1] Württ. Jahrbücher 1 (1818), S. LXXXIII.

L            

Cast I, 95 f. – Riecke, Verfassung und Landstände, 36, 40 – Hartmann, Regierung und Stände, 22, 26, 29 – Brandt, Parlamentarismus, 178 – Dornheim, Adel, 131 f. – Raberg, Biogr. Handbuch, 973 – Beck, Fürstlein, passim – Zürn, Untergang, passim – Beck, Mediatisierung, 269 f., 276, 281, 283 (Bild).

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