Pfeilsticker, Gottlieb Friedrich Daniel

* Rot an der Rot/OA Leutkirch 29.11.1811
† Ravensburg 9.12.1866

ev.

S. d. Gottlieb Friedrich Pfeilsticker, * Neuenstadt am Kocher/OA Neckarsulm 18.5.1770, † Reutlingen 3.10.1847, Amtmann in Rot an der Rot, ab 1813 Gerichtsnotar in Reutlingen, u. d. Juliane Friederike Hebsacker, * Tübingen 7.7.1784, † Ravensburg 3.2.1855.

3 G, darunter ein Zwilling zu P.

∞ Ulm 21.10.1845 Pauline Friederike Susanne Albertine Schuster, * Ulm 10.10.1812, † Ravensburg 10.5.1868, T. d. August Ludwig Schuster, Pupillenrat in Ulm, u. d. Hedwig Roth.

5 K, darunter Sophie Pfeilsticker, * Ravensburg 1.4.1849, † Weißenau/OA Ravensburg11.8.1910, ∞ Großsüßen 28.9.1871 Paul Knapp, Oberkirchenrat, Dekan in Ulm; Albert Pfeilsticker, * 1814, † 1879, Architekt.

Der Wegbereiter der historischen Architektur in Oberschwaben (Alfred Lutz) entstammte einer altwürtt. Familie, die über Generationen Verwaltungsbeamte und Pfarrer gestellt hatte.

P. wuchs in Rot an der Rot und Reutlingen auf, wo er die Lateinschule besuchte. 1826 trat er in die private Bauschule des Architekten Karl Marcell Heigelin zu Tübingen ein. 1829 folgte er seinem Lehrer nach dessen Berufung als Professor an die neu errichtete Gewerbeschule in Stuttgart. Heigelin schätzte seinen Schüler offenbar sehr; schon 1830/31 leitete P. im Auftrag König Wilhelms I. den Bau eines Ökonomiegebäudes auf dem Staatsgut Mooswald bei Friedrichshafen. 1832 hatte er die Bauleitung bei der Erweiterung der Gewerbeschule inne, 1833 bei einem Privat- und zwei Fabrikbauten in Esslingen/Neckar. Nach der bestandenen Staatsdienstprüfung im Baufach führte P. als selbstständiger Baumeister Bauten in Teinach, Wildbad und Tübingen aus. In Tübingen wurde er zum provis. Bauinspektor ernannt und leitete u. a. den Bau der klassizistischen Neuen Aula. Im Sommer 1842 auch zum Dozenten für Baukunde an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen ernannt, folgte im Juni 1843 P.s Berufung zum Bezirksbauinspektor (Titel Baurat) in Ravensburg mit der Zuständigkeit für die Kameralamtsbezirke Heiligkreuztal, Ochsenhausen, Schussenried, Tettnang, Waldsee, Wangen und Altdorf-Weingarten. Zu P.s wichtigsten Werken zählen neben dem im maurischen Stil für König Wilhelm I. erbauten Schloss Montfort („Villa Argena“) in Langenargen  (1861-1867) die Oberamtsgebäude in Leutkirch (1845/46) und Ravensburg (1847/48), die kath. Pfarrkirche St. Michael in Hohentengen (1848-1852), die kath. Pfarrkirche St. Gallus in Tettnang (1858-1860), die kath. Pfarrkirche St. Nikolaus in Schmalegg (1861), die Hauptfassade des Spitals in Waldsee (1856). Daneben leitete P. den Umbau der ev. Stadtpfarrkirchen in Leutkirch und Ravensburg.

Ab 1857 lebte P. im Haus seines verstorbenen Schwagers. des Ravensburger Rechtsanwalts Dr. August Schuster, in der Herrengasse. P. starb wenige Wochen nach seinem 55. Geburtstag an einem Herzschlag.

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Rudolf, KB, 705 – DGB 170 (1975), 175 ff. – Alfred Lutz, Gottlieb Pfeilsticker - Wegbereiter de rhistorischen Architektur in Oberschwaben, in: UO 55 (2007), 305-357.

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