Josef W. Janker

geb.    7. August 1922 in Wolfegg
gest.    17. April 2010 in Ravensburg


Josef  Wilhelm Janker wurde 1922 in Wolfegg geboren. Sein Vater war Schuhmacher und Mesner. Die Mutter starb, als der Sohn gerade drei Jahre alt war. Er erlernte das Zimmermannshandwerk, wurde aber im Zweiten Weltkrieg als Soldat eingezogen. Den Krieg erlebte er in Polen, in der Sowjetunion und in Frankreich. Er überstand ihn als Schwerbeschädigter. Eine schlimme Tuberkulose nach 1945 zerstörte einen Lungenflügel. Nach dem Krieg arbeitete Josef W. Janker u.a. als Bautechniker. Ab 1956 trat er als Schriftsteller an die Öffentlichkeit. Er schrieb erste Erzählungen, bald darauf auch Kurzromane, Feuilletons, literarische Porträts und Reiseberichte. Peter Hamm stellt den Zusammenhang zwischen Jankers innerer und äußerer Verletzung und dessen Schreiben her: „Jankers Versehrtheit lässt sich allerdings nicht auf die physische und amtlich beglaubigte reduzieren, ist vielleicht mehr eine fundamentale, existenzielle Versehrtheit, gegen die Sanatorien, Prothesen und Arzneien nichts vermögen, eine Versehrtheit, die Janker jedoch früh zum Schreiben zwang“.
Heinrich Böll war der maßgebliche Unterstützer von Jankers literarischem Werk. Er stellte es einer breiteren Öffentlichkeit vor und vermittelte Janker zur Gruppe 47, wo er zwei Mal las. Janker thematisiert immer wieder das Trauma des Krieges, seine eigenen Kriegserlebnisse, die Folgen des Krieges für den Einzelnen und die fehlende Verarbeitung der Kriegserlebnisse in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Im Restaurations- und Wirtschaftswunderklima der BRD-Republik hatte diese Thematik jedoch bald keinen Platz mehr, so dass der literarische Zeitgeist den Schriftsteller nur noch am Rande wahrnahm. Die bekanntesten seiner deutschsprachigen Schriftstellerkollegen – von Elias Canetti und Hans Erich Nossack bis zu Heinrich Böll, Martin Walser und Uwe Johnson - haben ihn jedoch sehr wohl rezipiert und seine Bücher zur Lektüre empfohlen. Böll besprach Jankers Roman „Der Umschuler im „Spiegel“ (29/1971): „Jankers Protokoll ‚Der Umschuler’ ist auf eine unaufdringliche Weise hochaktuell. Fast jeder halbwegs etablierte Deutsche (…) hat seine mehr oder weniger bewältigte Umschulungsvergangenheit.“  Er pries die Romane „Zwischen zwei Feuern“ (1960) und „Der Umschuler“ (1971) als „unverzichtbaren Bestand der deutschen Nachkriegsliteratur“ und Hermann Lenz sah „das Zwanghafte der Soldaten-Existenz (…) in der deutschen Gegenwartsliteratur wohl noch nie so deutlich dargestellt“.

Über seine Erzählungen „Mit dem Rücken zur Wand“ (1964) schrieb der „Spiegel“ in einer Besprechung: „Janker liefert den erstaunlichen Bindestrich zwischen Remarque-Deutsch und zeitgenössischer Vexier-Prosa.“  Josef W. Janker war auch ein leidenschaftlicher, ungeheuer assoziationsreicher  Briefeschreiber. Diese Briefe an Schriftstellerkollegen von A(dler) bis Z(uckmayer) füllen den letzen Band der vierbändigen, Werkausgabe (Hg.: Manfred Bosch, Verlag Gessler, Friedrichshafen, 1988).

Josef W. Janker engagierte sich auch für die Literatur der Region Oberschwaben. Er war einige Jahre Vorsitzender der Jury des Meersburger Droste Preises, er gehörte dem Literarischen Forum Oberschwaben an und betätigte sich in der Organisation von Autorenlesungen des „Ravensburger Kreises“. Er erhielt zahlreiche Preise: die Ehrengabe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1974), den Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten (1977), das Jahresstipendium Baden-Württemberg (1980), den Hermann-Lenz-Preis (1999; die Laudatio hielt kein geringerer als Peter Handke) und auch das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse (1999).

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